Ein "sattelfester" Beruf


Berufsausbildung


Es handelt sich um einen anerkannten Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz bzw. nach der Handwerksordnung. Die dreijährige Ausbildung erfolgt im Wesentlichen im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule.

Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine Verkürzung der Ausbildungsdauer möglich.


Inhalte und Ablauf


Die Auszubildenden lernen beispielsweise im 1. Ausbildungsjahr:

  • Welche Werk- und Hilfsstoffe verwendet werden und nach welchen Kriterien sie im Einzelfall ausgewählt werden
  • Wie man Textilien fadengerade zuschneidet
  • Wie Leder und andere Werkstoffe miteinander verklebt werden
  • Wie man in rationeller Grifftechnik von Hand näht, z.B. in Vorder-, Hinter-, Kreuz- und Schwertstich
  • Wie einfache Schweißnähte mit Hilfe von Handschweißgeräten hergestellt werden
  • Wie man Kanten an Teilen und Werkstücken von Hand und mit Maschinen abzieht, schleift, färbt und verputzt
  • Wie Werkstücke ausgemessen und normgerecht gezeichnet werden

Im 2. Ausbildungsjahr:

  • Was beim sachgerechten Lagern von Leder zu beachten ist
  • Wie Lederkanten mittels geeigneter Schärfgeräte geschärft, d.h. an der Kante durch Abschrägen verdünnt werden
  • Wie man mit der Nähmaschine gerade, rund und Bogen näht
  • Was beim Einrichten und Bedienen von Schweißmaschinen zu beachten ist
  • Wie Leder gepresst wird
  • Wie man Polsterungen aus Formpolstern, Federkernen und Schaumstoffen herstellt

Zwischenprüfung vor dem Ende des 2. Ausbildungsjahres


Im 3. Ausbildungsjahr:

  • Wie man den Materialverbrauch ermittelt und Leder zuschneidet
  • Wie Biesen-, Wulst- und Sattlernähte ausgeführt werden
  • Wie man mehrere Riemen flach und rund flicht
  • Wie Werkstücke gewendet, geformt, geklebt, gedrückt, gepresst, wie Nähte auseinandergeklopft werden und wie Kontroll- und Nacharbeiten auszuführen sind
  • Was beim Überziehen und Befestigen von Polsterbezügen zu beachten ist
  • Wie man Nähfehler feststellt und beseitigt
  • Wie Arbeitsabläufe festgelegt und Stücklisten ausgearbeitet werden.

Gesellenprüfung bzw. Abschlussprüfung


Berufsausübung

Nach erfolgreich abgeschlossener Berufsausbildung ergibt sich eine Reihe von Ausübungsmöglichkeiten, z.B. als Reitsport- und Geschirrsattler, Autosattler, Feinsattler oder Sportartikelsattler.


Tätigkeiten

  • Auswählen der Werkstoffe
  • Zuschneiden bzw. Stanzen der Einzelteile
  • Verdünnen der Lederkanten, Einschlagen der Kanten
  • Zusammennähen oder Steppen von Lederteilen bzw. anderen Materialien, Einnähen von Reißverschlüssen
  • Annieten von Beschlägen und Schlössern
  • Einbügeln, d.h. Anbringen von Metallbügeln zum Festhalten der offenen Lederkante
  • Beziehen von Fahrzeuginnenausstattungen
  • Kontrollieren der gefertigten/ bearbeiteten Teile
  • Einrichten, Umstellen, Überwachen und Reinigen der gebräuchlichen Maschinen
  • Instandsetzen von Gegenständen aus Leder bzw. anderen Materialien

Arbeitsmittel, Werkzeug, Material

  • Schnittschablonen, Arbeitsmuster
  • Leder, Holz, Polsterstoffe, Seidenleinen, Roßhaar, Schwergewebe, Schaumgummi
  • Werkzeuge wie Schere, Messer, Falzbein, Hammer, Einbügelzange, Ahle, Nähnadeln, Kantenzieher
  • Schärf-, Einschlag-, Reifelmaschine, Bügelpresse
  • Einnadel-, Zweinadel-, Flachnähmaschinen
  • Mess- und Prüfgeräte wie Meter-, Bandmaß, Lineal, Winkel, Wasserwaage
  • Nägel, Schrauben, Dübel, Scharniere, Heftklammern

Umgang mit

  • Hilfskräften, Kollegen, Meistern, Vorarbeitern, Gruppenführern, Abteilungsleitern, Betriebsinhabern
  • Anderen Fachkräften (Polster- und Dekorationsnähern, Karosseriebauern, Mechanikern)
  • Kunden, Lieferanten

Arbeitsort, Arbeitsumgebung

  • Fachbetriebe des Sattlerhandwerks
  • Lederwarenindustrie
  • Automobilzulieferindustrie

Berufliche Weiterbildung


Qualifizierungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten

  • Teilnahme an Lehrgängen, Kursen oder Seminaren, z.B. über Lederbe- und -verarbeitung (u.a. Gerbereitechnologie, Materialkunde, Lederfärbung und Lederzurichtung), Dekoration, Arbeits- und Umweltschutz, Waren- und Verkaufskunde, Arbeitsvorbereitung, Rationalisierung

Aufstiegsfortbildung (nach entsprechender Berufspraxis)

  • Industriemeister/in der Fachrichtung Lederherstellung oder Sattlermeister/in
  • Techniker/in der Fachrichtung Ledertechnik
  • Techniker/in für Betriebswissenschaft